Steuerreform § 1a Abs. 1 KStG: GbR kann Gewinne erwirtschaften

Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) können seit der Änderung des § 1a Abs. 1 S. 1 KStG wählen, dass sie steuerlich wie eine GmbH behandelt werden. Hierfür muss die GbR einen sog. Optionsantrag beim örtlich zuständigen Finanzamt stellen. Sofern kein Ablehnungsbescheid ergeht, ist die Option ab dem Zugang bei der zuständigen Finanzbehörde wirksam. Das Formular für den Antrag kann hier heruntergeladen werden. Achtung: Der Optionsantrag nach § 1 a Abs. 1 S. 1 KStG ist unwiderruflich und muss vor Beginn des Wirtschaftsjahrs gestellt werden. Im nächsten Wirtschaftsjahr kann jedoch auch ein Antrag auf Rückoption gem. § 1 a Abs. 4 KStG gestellt werden. Dann wird die GbR nicht mehr steuerlich als GmbH behandelt.

  1. Auswirkungen der Option

Wenn die GbR den Antrag auf Option gestellt hat und die Voraussetzungen vorliegen, ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen. Die GbR muss dann beispielsweise auch Körperschaftssteuern zahlen. Außerdem kann die GbR im Vergleich zu früher auch Gewinne „behalten“, ohne dass diese bei den einzelnen Gesellschafter:innen versteuert werden müssen. Die Gewinne werden dann wie bei einer GmbH mit der Körperschaftssteuer und der Gewerbesteuer versteuert.

Sofern jedoch geplant ist, dass sich die Gesellschafter:innen die Gewinne relativ schnell auszahlen und es sich nicht um „Rücklagen“ für das nächste Projekt handelt, ist Achtung geboten. In diesem Fall müssen die Gewinne bei Auszahlung an die Gesellschafter:innen mit der Kapitalertragssteuer versteuert werden. Das heißt, eine Gewinnausschüttung kann für die GbR (beispielsweise für eine kleine Theatergruppe) teurer sein als bisher eine Gewinnentnahme. Wenn die Gewinne als Rücklage für bspw. ein Theaterprojekt im kommenden Jahr bei der GbR verbleiben, können sie dann als Honorar an die Gesellschafter:innen ausgezahlt werden. Dann handelt es sich um Ausgaben der GbR, sodass keine Steuer anfällt.

  1. Optionsantrag und Künstlersozialabgabe

Offen bleibt, welche Auswirkungen der Optionsantrag auf die Pflicht zur Zahlung der Künstlersozialabgabe hat. Es ist damit zu rechnen, dass im Falle der steuerlichen Gleichstellung der GbR mit einer GmbH Künstlersozialabgabe auf das Gehalt der geschäftsführen Gesellschafter:innen oder auf die an die Gesellschafter:innen ausgeschütteten Gewinne anfallen wird.

  1. Optionsantrag und Umsatzsteuer

Bei einer GbR sind die Gewinnbeteiligungen oder Honorarzahlungen an die Gesellschafter:innen nicht umsatzsteuerpflichtig. Sind die Gesellschafter:innen selbstständig für die GmbH tätig, sind drei Varianten der Einkommenserzielung möglich: Die Gewinnausschüttung, der Erhalt eines Geschäftsführer:innenlohns oder die Inrechnungstellung eines Honorars. Wenn die geschäftsführenden Gesellschafter:innen selbstständig tätig sind, also nicht sozialversicherungspflichtig angestellt, stellen die Auszahlung eines Lohns oder eines Honorars Umsätze der GmbH dar und sind also umsatzsteuerpflichtig. Stellt die GbR den Optionsantrag, dürfte es sich dann also bei der Auszahlung der Honorare oder Gehälter an die selbstständig tätigen Gesellschafter:innen um Umsätze handeln, die umsatzsteuerpflichtig sind. Dies gilt nicht, sofern ein Befreiungstatbestand (z.B. § 4 Nr. 20a UStG) vorliegt, oder die Kleinunternehmerregel nach § 19 UStG greift.

Zu den unterschiedlichen Möglichkeiten wie ich als Gesellschafter:in einer GbR oder GmbH ein Einkommen erhalten kann, könnt ihr unser Merkblatt zum Thema hier nachlesen.

Weitere Informationen finden sich hier oder hier.